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Das Gehirn vernebelt ....

... in diesem Jahr jährt sich zum 100 mal der Beginn des Ersten Weltkrieges, Anlass genug dass sich allerorten Experten äußern, Filme gemacht werden, Bücher veröffentlicht Zeitungsseiten beschrieben.

In meiner Kindheit gab es zwei Ereignisse, die für uns Kinder das Grauen schlechthin verkörperten, der 2. Weltkrieg, der lag erst sehr kurze Zeit zurück und mit etwas Abstand, aber immer noch gegenständlich genug der 1. Große Krieg. Es gab dafür in den fünfziger Jahren genügend lebende Zeitzeugen, u.a. meine Großeltern. 

Sie erzählten über den Krieg- unter Anderem war der erste Ehemann "für den Kaiser den Heldentod gestorben" - und in einer alten Truhe lagen mehrere Alben mit bunten Zigarettenbildern über den Ersten Weltkrieg und die Zeit danach, für mich immer der erste Anlaufpunkt, wenn ich zu Besuch kam.

Es hatte für mich etwas Spannendes und gleichzeitig Verklärtes über diese Zeit zu hören und zu lesen, und oft besuchte ich die Großeltern vordergründig deshalb.

Später versank alles im Nebel der Geschichte, spätestens dann, als ich anfing mein eigenes Leben zu gestalten, es verlor seine Wichtigkeit, die Gegenwart war präsenter.

Und ich habe gemerkt, dass Geschichte, selbst grausame Geschichte etwas sehr zeitgebundenes ist, stand für mich als Kind das Grauen über die Dinge im Vordergrund, die Angst selbst irgendwann in einen Krieg verwickelt und getötet zu werden, ist es später das reine Interesse an den Fakten und deren Bewertung


In der Süddeutschen Zeitung vom 1. März 2014 finde ich nun auf Seite 7 einen großen ganzseitigen Beitrag zum Thema unter der Überschrift "Man hat doch eine Leidenschaft".

Zwei Historiker, der Australier Christopher Clarks und der Deutsche Gerd Krumeich liefern sich in Form eines Interviews ein Scharmützel darüber, wie der 1. Weltkrieg zustande gekommen sei. 

Es liest sich eigentlich amüsant, sie necken sich wie ein altes Ehepaar, sonnen sich dabei in ihrer Popularität, parlieren etwas über die politischen Größen der Zeit vor und um 1914 und kommen zu dem Ergebnis:

"Es gibt niemanden, der den Krieg ausgelöst hat" (Clark) und "Die Deutschen, aber nur weil sie meinen, dass die Russen den Krieg wollen" (Krummeich).

Das Ganze liest sich wie eine lustige Anekdote, beim Lesen stört mich dann von Spalte zu Spalte mehr die narrative Darstellung des tragischen Sachverhaltes, der zum Tod von Millionen Menschen führte.

Am Ende habe ich - folge ich den Worten - den Eindruck, das Ganze war nichts Anderes als ein lockeres Missverständnis und Folge der intellektuellen Insuffizienz der Herrschenden.

Kein Wort finde ich über die Frage der Hintergründe! 

Niemand kann einen Krieg führen ohne materiellen Rückhalt, ohne willige Menschen, die bereit sind sich als Kanonenfutter missbrauchen zu lassen, ohne Waffen und vor allem ohne Geld. Davon finde ich bei Krumeich und Clarks kein Wort.

Fragen über Fragen:

Wer hat das Geld gegeben, wer hat den Menschen das Gehirn vernebelt, damit sie singend in den Tod zogen, wer hat die Waffen bebaut, wer hat daran verdient, wer hat sich am Wiederaufbau gesund gestoßen?

Der "Kleine Mann" war es nicht, war es nie, in keinem Krieg dieser Welt.

Ein enttäuschender Beitrag von Clarks und Krumeich und zu allem "Unglück" auch noch historisch falsch!


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