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Plädoyer für die Wahl

In gut 3 Stunden werden in Hessen die Wahllokale schließen, die Landtagswahl  2018 wird Geschichte sein. 

Einen richtigen Wahlkampf habe ich im lediglich rund 6 Kilometer entfernten Hessen nicht erlebt. Blut- und leblose Plakatierungen fielen (nicht) auf, in denen lediglich die rechte NPD versuchte in Stichworten Inhalte zu vermitteln. Auf den wenigen anderen Plakaten die gleichen, nichtssagenden und ewig lächelnden Gesichter.

Wenn ich als RandHesse nicht in den Medien gehört hätte, dass heute die Landtagswahl ansteht, vor Ort gemerkt hätte ich es nicht.

In den Medienaktivitäten fiel auf, dass es einen Wahlkampf nicht gegeben hat. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sich die Parteien hingebungsvoll gegenseitig geschont haben. Mit Ausnahme der konservativen AfD, auf die natürlich alle nach Leibeskräften einschlugen.

Für die Parteienpolitiker verkörpert die AfD offensichtlich den Gottseibeiuns des modernen gesellschaftlichen Lebens. 

Für alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Verwerfungen der hessischen, deutschen, europäischen, ja, globalen Gesellschaft wird sie unisono verantwortlich gemacht, sofern man das nicht gar Donald Trump anlasten kann. Vergessen wird dabei ganz leicht, dass die AfD bis heute nicht einmal im Hessischen Landtag vertreten ist, aber man will ja nicht kleinlich sein. Und wenn es der dumme Wähler glaubt, ist selbst der nicht vorhandene parlamentarische Feind allemal für etwas gut gewesen.

Also, festzuhalten ist, alle Dinge, die heute Abend in Hessen passieren werden, haben entgegen anders lautender Meldungen - im bewährten Karl-Eduard von Schnitzler-Sprech - nichts mit der AfD zu tun. 

Trotzdem freue mich schon jetzt auf die immer wieder unterhaltsamen Wahlsendungen ab 18.00 Uhr in ARD und ZDF, inzwischen haben sie sogar in puncto "Spaßfaktor" dem 'Tatort' den Rang abgelaufen.

Bedeutungsschwere Gesichter werden auf dem Bildschirm auftauchen, in gesetzten Worten werden in kurzen Abständen Prognosen und Hochrechnungen verkündet.

Politiker werden ins Rampenlicht treten und sich zu Statements drängen oder genötigt werden müssen, je nach erzieltem Stimmenanteil.

Es ist nicht schwer zu prophezeien, dass die 'klassischen' Parteien CDU und SPD heute die nächste heftige Klatsche erhalten. 

Die "Spitzenpolitiker", zumindest die, die man heute so nennt, werden davon sprechen, dass sie sich natürlich ein besseres Wahlergebnis erwartet hätten, dass es zu früh wäre, eine Wertung abzugeben, dass es klar ist, dass sie ihre Politik den Wählern nur besser hätten erklären müssen und dass es nicht gelungen sei, den Wähler zu überzeugen. Von eigenen inhaltlichen Fehlern oder gar eigenem politischem Versagen wird niemand sprechen.

Nach einer kurzen Pause werden dann alle verkünden, dass sie "verstanden hätten" und dass jetzt natürlich in den nächsten Wochen und Monaten den Wahlausgang gründlich zu analysieren wäre. 

Auf jeden Fall wird man uns wieder demonstrieren, wie viele der dort schaulaufenden Damen, Herren und Genderqueer in der Tat einen an der Klatsche haben.

Danach wird es die berühmte 'Berliner Runde' geben, an der eigentlich immer nur spannend ist, ob sich die CDU-Vorsitzende selbst die Ehre gibt oder nicht. Da diese aber gerade mit Erdogan, Putin und Macron wieder einmal den globalen Friedensengel geben will, ist dies eher unwahrscheinlich. 

Zum Abschluss werden alle Alten noch einmal versuchen den Neuen von der AfD so richtig einen einzuschenken und dann geht man für heute auseinander.

In den nächsten Tagen, Wochen und Monaten wird man unter Wahrung persönlicher Pfründe an Koalitionen notdürftig herum zimmern und sich gegenseitig möglichst schmerzfrei neu mit Posten und Pöstchen versorgen.

Und wenn das so richtig erfolgt ist, geht es 'mit frischen Mut' und den gleichen verbrauchten Gesichtern in den nächsten Wahlkampf 2019 in den OstDeutschen Ländern und daran anschließend für den Bundestag.

Viel passieren wird in dieser Zeit, außer multiplen Steuererhöhungen, für den einfachen Bürger nicht viel, aber unser Schauspiel - genannt Wahl - hatten wir allemal. Auch wenn die Eintrittskarten für den Steuerzahler wieder einmal viele Millionen gekostet haben. 

  



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