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Deutschland ohne Navi





Früher lernten wir in der Schule neben Lesen, Schreiben und Rechnen, auch wie man einen Topflappen häkelt, wie man ein Bild zeichnet und wie man eine Landkarte liest. Wenn wir Glück hatten, lernten wir auch mit einem Kompass umzugehen oder an Hand von Naturmarken die Himmelsrichtungen zu bestimmen und wie man sich Mehrheitsmeinungen anpaßt. Also alles durchweg nützliche Dinge!

Heute haben wir dafür ein Navi, welches uns meist relativ problemlos von A nach B bringt.

Für alles Andere haben wir Verordnungen und Gesetze, die regeln fast alles. Wie aber sind Meinungen und Ansichten zu regeln?

In meiner Kindheit in den 50 gern wurde relativ klar vorgegeben, was richtig und was falsch. Was richtig war, stand in der Zeitung, was nicht in der Zeitung stand war falsch oder zumindest suspekt.  Davon hielt ich mich tunlichst fern, zumal mein Stand in der Schule auf Grund meiner Herkunft als "Enkel eines Nazis" sehr, sehr vulnerabel war. Öffentlich war ich nach meiner Herkunft ein Rechter, obwohl ich als Kind nicht einmal wußte, was damit gemeint war.

Ich wollte zum Abitur, zum Studium. Essentiell war deshalb nicht aufzufallen, zumindest nicht 'negativ'. Dazu brauchte ich kein Navi, dass ergab sich geradezu spontan. Plötzlich war ich ein Linker.

Überraschend war in 1989 die öffentliche Darstellung meiner Meinung, natürlich ausschließlich gegen die frühere DDR, gefragt, je lauter, desto besser und auf jeden Fall "Contra".

Ich staunte später nicht schlecht, als ich - trotzdem quasi über Nacht - zum Feind derer umfunktioniert wurde, die bei mir bis dahin einen gewissen Schutz gesucht und deren Interessen ich mit meinen eher bescheidenen Mitteln zu vertreten versucht hatte.

Insgesamt habe ich offensichtlich etwas total mißverstanden, als ich glaubte, dass ab jetzt zumindest meine Meinung generell gefragt sei. Das Gegenteil war der Fall und fix hat man mir an verschiedenen Stellen klar gemacht, dass dies nicht so ist. Vielmehr war wieder "Funktionieren" angesagt, zugegeben mit einem gewissen kleinen Spielraum, der relativ unscharf definiert ist, sodass es ganz gut schien zumindest alternativ immer ein Navi parat zu haben. Ich blieb in der Wahrnehmung erstmal ein Linker, da es Anderen gut in den Kram passt. 

Schnell lernte ich wieder mich anzupassen, nicht "unangenehm aufzufallen", diesmal über das Instrument der "Zurückhaltung", dazu brauchte ich kein Navi.

Dann kam das Jahr 2015 und damit die Migrantenkrise in Deutschland.

Ich hatte zum Glück über mehrere Jahrzehnte gelernt, dass es immer hilfreich ist sich der Mehrheitsmeinung anzuschließen und gut hatte ich einige markige Merkel-Worte aus 2010 im Ohr: "Multi Kulti ist gescheitert!"



Es fiel mir als rein pragmatischem Menschen deshalb schwer mich aus dem Stand vorbehaltlos der über Nacht offiziell verordneten 'bedings- und alternativlosen Willkommenskultur' anzuschließen und ratzfatz, war ich per definitionem wieder ein Rechter.

Anfang 2016 haben nun andere Staaten das Heft des Handelns in die Hand genommen, die dafür jetzt als rechtspopulistisch deklariert werden. Allen voran gehen die Össis, denen man nun plötzlich selbst wieder den Gröfaz anlastet. 

Der "Migrationskorridor über den Balkan wurde gegen den postulierten Willen der Bundesregierung geschlossen und schwupps, bekommen wir den Rückgang der Migrationsdrucks als Verdienst der Bundesregierung erklärt, die nie etwas anderes gewollt hat, als die Migrantenzahlen zu reduzieren.

Jetzt wird wieder relativ klar vorgegeben, was richtig und was falsch ist. Was richtig ist, steht in der Zeitung, unabhängig davon, welche Zeitung ich lese, was nicht in der Zeitung steht ist falsch oder zumindest suspekt und damit im offiziellen Sprachgebrauch rechtspopulistisch.

Nun weiß ich gar nicht mehr, wo genau ich stehe, bin ich Rechter, bin ich Linker oder bin ich lediglich ein Depperter

Wer jetzt kein Wendehals wird, hat am Hals ein Kugellager eingebaut

Faszinierend, Deutschland ohne Navi. Ich will mein Navi wieder haben, auch wenn dies politisch noch nie in meinem Leben auch nur halbwegs verläßlich funktioniert hat.



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