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Deutschland protzt ab

Auch Deutschland muss sich mit Problemen herumschlagen, die viele andere Länder und Volkswirtschaften mit Sicherheit überfordern würden, um die uns nichtbetroffene Länder glattweg beneiden und - die bei voller Kenntnis der Problematik - Teile der Bevölkerung ohne Zweifel verunsichern könnten.

Foto aus http://www.katholisches.info/2014/05/14/unisex-toiletten-nein-gender-neutral/
Nehmen wir als Beispiel die Diskussion über die gendergerechte Nutzung der öffentlichen Latrine.

Letztens sah ich auf einem Parkplatz ohne öffentliche Toilette folgende Konstellation. Ein Audi Q7, beworben von Audi mit dem Slogan: "Komfort auf höchstem Niveau", am Rande parkend, beide Türen auf der Beifahrerseite weit geöffnet. Mit 'höchstem Komfort' ist hierbei wahrscheinlich die Größe der Türen gemeint, die in der Tat einiges verdecken können, auch wenn in diesem Fall eine Limousine mit tieferliegenden Türen möglicherweise diskreter gewesen wäre. Ungefähr 2 Meter entfernt steht ein Mann, grauer Anzug, breitbeinig mit dem Rücken zur Fahrbahn, zwischen den Türen sehe ich zwei Füße und Teile der Unterschenkel mit herunter gestreifter Hose - sonst nichts. Ich scheue mich weiter zu gehen, halte Abstand. Nach knapp 2 Minuten fährt der Audi weiter, als er an mir vorbei fährt sehe ich zwei Köpfe, ein Mann und eine Frau, wahrscheinlich Geschäftsleute, denn ihre sichtlich entspannten Gesichter drücken aus: Geschäft erfolgreich erledigt!

Ähnliches passiert einem etwa in mediteranen Ländern Südeuropas, Asiens, Afrikas oder auch weiten Teilen Russlands in Form der beliebten Hocktoilette, gern auch mal gemeinschaftlich, bestenfalls mit halbhohen Zwischenwänden oder ganz pur, genutzt. Meist hockt man mit Blick zur Tür, um checken zu können, wer gerade kommt oder wer geht. Wahrscheinlich spielt hier der Wunsch nach Konversation eine Rolle, wobei die Dauer der Konversation ausschließlich durch die Kraft der Oberschenkel begrenzt wird. Und es funktioniert! Jeder findet seinen Platz!


Früher nannte man diese 'stillen Orte' schlicht Bedürfnisanstalt. Von denen es sogar weltberühmte Exemplare gibt, etwa hier das sehr schöne Exemplar in Clochemerle. Die Art 'Schießscharte' ermöglicht übrigens beim 'Geschäft' den Blick sowohl nach draußen, als auch nach drinnen.






Foto nach: http://www.a-Fresco.com/images/clochemerle/v_ouest_contexte.jpg

Deutschland ist mit öffentlichen Latrinen gut ausgestattet, nahezu an jeder Ecke findet sich 'eine Möchlichkeit', manchmal sogar kostenneutral um sich 'seiner Last zu entledigen'.

Toiletten für Damen, für Herren, abgetrennt nicht selten auch noch für das Kind. Bisher habe ich, selbst auf dem abgelegensten Autobahnrastplatz, nicht eine einzige Hocktoilette gefunden. Der Öffentliche Raum ist gespickt mit Erlebnisorten mit und ohne Musik, mit und ohne Service, mit und ohne Papier, mit und ohne Wasser, mit und ohne Technik. 

Allein, es fehlt vielfach etwas ganz Wichtiges: Toiletten für Transgender!

Der neueste Hit: Unisex-Toiletten, für Menschen die weder Mann noch Frau sein wollen.

Auf das große und unüberhörbare öffentliche Bedürfnis nach Unisex-, wahrscheinlich sollte man sogar besser von genderneutralen Toiletten sprechen, haben selbst in Deutschland die ersten Städte und Einrichtungen reagiert. Neben originären Jungen und Mädchen finden nun dort auch Transgender ihren stillen Ort. Berlin geht wie so oft auch hier beispielgebend voran.









Foto nach: http://www.tagesspiegel.de/images/toilette-fuer-alle/12632656/2-format6001.jpg

So man will können noch viele andere sinnvolle Betätigungsfelder gefunden werden, um zu sichern, dass niemand bei der Verrichtung seiner Notdurft diskriminiert wird:


  • Toiletten mit unterschiedlichen BoxenGrößen für Dicke und Dünne;
  • Toiletten mit unterschiedlich hoch angebrachten Pissoiren für große und kleine Männer; 
  • Toiletten mit Sichtschutz zwischen den Pissoiren, um Männern mit zu kleinem Gemächt mitleidige Blicke oder gar unangebrachte Bemerkungen zu ersparen;
  • Toiletten ohne Licht, da ich u.a. zwei Menschen kenne, die nur in Dunkelheit urinieren können.
  • Toiletten ohne beengende Seitenwände für Menschen mit Claustrophobie;
Also, so man Willens ist finden sich Betätigungsfelder ohne Ende.

Daneben sei trotz seiner Banalität der reinen Vollständigkeit halber noch ein ganz offensichtliches, nebensächliches, weil alltägliches Problem erwähnt: 

Bei Konzert- und Theaterpausen, im Kino, letztens auch auf der Leipziger Buchmesse, bilden sich mit konstanter Regelmäßigkeit vor den Damentoiletten lange Schlangen, die Damen stehen geduldig an, während wir Herren 'zügig zum Geschäft' kommen. Warum nimmt sich z.B. die Verwaltung nicht endlich dieses tatsächlichen Problems an?

Die Antwort ist ganz einfach, es ist bei Weitem nicht so öffentlichkeitswirksam! Also meine Damen, das eigenständige Training des Beckenbodens ist angesagt, selbst ist die Frau. Besser wäre zu fordern, Schluß mit der Diskriminierung!

Deutschland protzt ab, egal ob Unisex oder Klassisch!



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