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Der Schirm der jungen Frau

Das Wetter kann sich immer noch nicht entscheiden, Frühling oder doch noch halbwinterliches Schmuddelwetter. 


Ein bißchen scheint die Sonne, zwischendurch immer mal wieder Nieselregen, Temperaturen so um die 10 Grad, obwohl schon mehrfach in den diversen Wetterdiensten, Tageszeitung, Radio, Fernsehen, Internet das pure Frühlingswetter avisiert worden war.

Heute jedenfalls ist es wieder einmal mistig, trüb, Nieselregen, nicht sehr stark, aber so, dass man ihn auf der Haut spürt und alles tropft, ein kalter Wind, der es noch unangenehmer macht.

Als ich das Haus verlasse und dabei unwillkürlich den Kopf einziehe, kommt mir eine junge Frau mit 2 Kindern entgegen, die Kinder irgendwo zwischen 2 bis 4 Jahren alt. 

Die Frau vielleicht Mitte der 20er, mit freudlosem Gesichtsdruck, sehr, sehr schlank, meine Großmutter hätte gesagt, 'sie kann einen Bock zwischen die Hörner schmatzen'. Über ihrem Kopf ein sehr großer Regenschirm, schätzungsweise im Durchmesser bei 180 cm, ein Riesending, schwarz mit einem bunten Aufdruck, stark gewölbt, mechanisch sehr stabil.

Kleidungsmäßig ist sie wohl schon im Frühling angekommen, eine erkennbar dünne Jacke, Rock, Strümpfe und Sneaker. Sie geht unter ihrem Schirm, sie friert und scheint unter der großen Kuppel Schutz zu suchen.

Ein Kind läuft ca. 2 Meter vor ihr, nach der Farbe der Regenjacke ein Mädchen, Gummistiefel, eine Mütze. Das andere Kind, ein Junge, da in blau, hinter ihr, auch außerhalb des Radius des gigantischen Schirms, ebenfalls in Regenkleidung. Beide Kinder sind gut gelaunt, sie lassen keine Pfütze aus, springen hinein, freuen sich wenn es spritzt und es scheint sie überhaupt nicht zu stören, dass ihre Mutter immer ärgerlicher wird.

Sie bleibt stehen, ruft mit schriller werdender Stimme nach den Beiden, sie sollen doch gefälligst mit unter den Schirm kommen, damit sie nicht nass werden. Die Kinder scheinen beide gehörlos oder zumindest ausgesprochen schwerhörig zu sein. Je eindringlicher und ärgerlicher die Mutter nach ihnen ruft, dann schreit, um so ausgelassener toben sie durch die Pfützen. Nein, sie wollen jetzt nicht unter den Schirm!

Als ich vorbeigehe spüre ich, dass mich die Situation sehr unangenehm berührt. Da ich die Familie kenne, fühle ich mich bemüht irgendetwas zu sagen. Mir fällt nichts Besseres ein als die Bemerkung: "Das ist aber ein riesengroßer Schirm".

Ihre gerade noch ärgerliche Mine wandelt sich sofort in bemüht verbindlich und aufgesetzt freundlich, "Ja, den habe ich gekauft damit die ganze Familie darunter Platz hat", dann zuckt ihr Gesicht, als ob ihr gleich die Tränen kommen.

Ihre Kinder toben weiter durch die Pfützen, sie friert und ich habe das Gefühl, dass es zum Zusammenhalt einer Familie wohl mehr bedarf als eines Schirms.




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